Runout

Auslauf zwischen Sicherungspunkten

„Ein Runout ist ein Teil einer Felskletterroute mit einem langen Abstand zwischen den Sicherungspunkten.“

Diese Definition klingt erstmal klar verständlich. Was aber ist denn ein langer Abstand? Welche Sicherungspunkte sind gemeint? Gilt das auch für Ein- und Ausstiege von Routen?

 

Wir haben dazu schon einige Diskussionen live am Fels und in Kletterforen verfolgt und zahlreiche online Beiträge durchforstet.

 

Die umfassenden Erläuterungen zum Begriff Runout auf der Web-Seite climbernews.com* finden wir richtig gut, der Artikel ist allerdings im Original auf Englisch verfasst.

*https://climbernews.com/what-is-a-runout-in-climbing/

Die wichtigsten Fakten fassen wir hier mit einigen eigenen Ergänzungen zusammen.

Woher kommt die Bezeichnung „Runout“ im Kletterkontext?

Der Begriff Runout hat sich Mitte der 1980’er Jahre in der deutschsprachigen Sportkletterszene etabliert. Inzwischen wird er häufig mit „Auslauf“ übersetzt. Natürlich gab es auch vorher schon ungemütlich weite Sicherungsabstände. Damals sagte man „da muss man mal weit aussteigen“, und alle wussten was gemeint war.

Gilt der Bergriff nur zwischen Haken?
Nein, die oben genannte Definition spricht von Sicherungspunkten. Damit sind ausdrücklich auch mobile Sicherungspunkte gemeint. Gibt es zwischen zwei weit auseinanderliegenden Haken andere Sicherungsmöglichkeiten, ist das kein Runout.
Als Mobile Sicherungspunkte werden selbst angebrachte Sicherungen (wie z.B. Sanduhrschlingen oder Klemmkeile) bezeichnet.

Gilt der Begriff auch bis zum ersten Haken?
Auch hier ist nicht der erste Haken, sondern der erste mögliche Sicherungspunkt ausschlaggebend. Ist es zu dieser ersten Möglichkeit (sich zu sichern) weit, ist auch das ein Runout. Allerdings wird der Begriff fürs Klettern vom Boden weg seltener benutzt.

Gilt der Begriff auch nach dem letzten Haken?
Ja, da man davon ausgeht, dass es am Ausstieg auch wieder eine Sicherungsmöglichkeit geben wird.

An dieser Stelle sei eine persönliche Bemerkung erlaubt:

Ich würde auch dann von einem Runout sprechen, wenn es vom letzten Haken bis zum Ausstieg weit ist und oben keine Sicherungsmöglichkeiten (Umlenker, Baum, Abseilöse, Sicherungshaken oder auch Klemmkeilstellen) existieren. Für mich ist ungesichert weit aussteigen immer ein Runout. Uwe Schönfisch

Ist ein Runout immer unfreiwillig?

Manche Kletterer nehmen es freiwillig in Kauf, das Clippen von Haken auszulassen oder eigene Sicherungsmittel nicht anzubringen und somit quasi einen Runout zu erzeugen, der eigentlich nicht existiert. Sie nutzen die so verbliebenen Kraftreserven lieber, um zügig eine spätere Sicherung zu clippen. Die gesparte Kraft erhöht die Durchstiegschancen. Voraussetzung dafür ist ein sicheres Sturzgelände.

Wie lang ist ein langer Abstand?
Das ist der wunde Punkt der Definition. Für eine Sportkletterroute gilt da ein anderer Maßstab als in einer alpinen Tour oder beim traditionellen Klettern (Trad). Sind für viele Sportkletterer 5m schon weit, würde der gleiche Abstand zwischen den Sicherungspunkten im alpinen Gelände als eher eng gelten. Dazu kommt noch euer persönliches Empfinden. An dieser Stelle wird der Sprachgebrauch sehr stark den herrschenden Umständen angepasst.

Elbsandsteingebirge – Schmilka

Lolaturm – Himmelsrichtung – 8c

Zwischen den ersten zwei Sicherungspunkten (Ringen) beträgt der Abstand ungefähr sieben Meter. Der zweite Ring befindet sich also ca. einen Meter über dem oberen Bildrand. Für Sportkletterer ist das ein Runout. Beim Traditionellen oder Alpinen Klettern gilt eine Route wie die Himmelsrichtung als gut gesichert.

Bild zum Empfinden von Abständen zwischen Sicherungspunkten

Erwähnt ihr in eurem Artikel den Schuh?

Ja, tatsächlich! Die Firma Asolo hatte in den 1990’er Jahren einen Kletterschuh im Angebot, der den Namen Runout trug.

Asolo Werbung für den Kletterschuh Runout.

Asolo Werbung mit Isabelle Patissier

Wichtig: Im englischsprachigen Raum hat der Begriff weitere Bedeutungen die dann aber nichts mit Klettern zu tun haben.

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