Die exponierten Fergenhörner mit dem besonders beeindruckend geformten Fergenkegel ziehen als einziger Felsriegel weit und breit den Blick der von Monbiel Richtung Silvretta Wandernden auf sich. Die liebevoll gepflegte Fergenhütte ist ideal gelegen und die Fergenkegel-Südwand wird als unbedingt empfehlenswert beschrieben.
Es waren Kindheitserinnerungen, die den Fergenkegel auf den Wunschzettel unserer Seilschaft brachten. Die „Süd“, wie sie im aktuellen Kletterführer Graubünden heißt, sollte es werden. Die gut gesicherte Route im Schwierigkeitsgrad IV hat uns so gut gefallen, dass wir begannen, uns näher mit dem Fergenkegel zu beschäftigen. Es machte uns neugierig, dass bei einer oberflächlichen Suche im Internet keine weiteren Wege am Fergenkegel angezeigt wurden. Wir witterten einen Fall für solidrocx und wir behielten recht. Der Alpenvereinsführer Silvretta listet schon ein paar Routen mehr auf, aber …
Es dürfte nicht viele Gipfel geben, bei denen sich die Quellen so oft widersprechen. Das beginnt schon bei der Höhenangabe. Der SAC* gibt 2843m an und der DAV* 2844. Alte Quellen kamen bis auf 2857m.
*am Ende des Beitrags findet ihr ein Abkürzungsverzeichnis.
Nach Auswertung gesicherter Quellen besteht Einigkeit, dass die erste Besteigung des Gipfels am 9. September 1880 durch den Bergführer Mettier von Norden her erfolgte. Rydzwesky³ berichtet, dass Mettier auf dem Gipfel einen Steinmann baute, in dem er eine Flasche mit einem Zettel hinterließ. Darauf stand: Erste Besteigung des Fergenhorn am 9. September 1880. Führer Mettier. Filisur. Rydzwesky³ schreibt aber auch, dass der Autor Gottlieb Studer im IV. Band seines Werkes „Ueber Eis und Schnee“ angibt, die Erstbesteigung sei am 10. September durch Mettier zusammen mit dem Führer Heldstab aus Klosters erfolgt. Wie diese Aussage zustande kam, lässt Raum für Spekulationen, zumal die Quellenangabe Rätsel aufgibt. Die angesprochenen Bücher von Studer erschienen damals in drei Bänden (wir haben bisher noch nicht herausfinden können, ab wann ein Band IV verfügbar war). Fakt ist, dass dieses Datum seitdem nirgends mehr auftauchte. Im Alpenvereinsführer von Walther Flaig2 steht sogar ausdrücklich und mit Ausrufezeichen, dass die erste Besteigung des Kegels allein von Mettier erfolgte. Anscheinend hat sich die Sache damals gleich geklärt.
Für diese erste Linie hat sich bis heute kein einheitlicher Name etabliert. Nordkamin und Führerkamin sind die am häufigsten genannten Namen. Eine Wegbeschreibung findet sich in der Routenliste.
Der Ostgrat hält eine simple Frage bereit: Welche der drei Linien, die von der Kanzel am Ostgrat aus völlig selbstständig zum Gipfel ziehen, ist die Route der Erstbegeher (O. Schuster, J. Engi, 1892)? Sowohl der Alpenvereinsführer Silvretta2, als auch die Routenplattform des SAC1 geben alle drei Routenverläufe an, ohne auf die Erstbegeher einzugehen.
Die Sanierte Variante der Südwand ist das Prunkstück des Felsens. Der Fels wird in allen Quellen als fest beschrieben. Die Linie ist gut gesichert, was gleichzeitig die Orientierung in der Wand erleichtert. Wir waren sehr beeindruckt von der Routenführung durch die Wand. Das Prädikat „unbedingt empfehlenswert“ führt allerdings dazu, dass die kleine Fergenhütte oft sehr voll und man in der Wand nur noch selten allein ist.
1997 wurden die Standplätze und die erste SL und 2008 der Rest der Route saniert.6 Aber der Fergenkegel hält wieder eine Überraschung für uns bereit: Schon im Alpenvereinsführer Silvretta von 19872 ist von der Direkten Südwand und einer Orginalführe von Walty die Rede. Die Beschreibung der Direkten Südwand im 87er Führer entspricht der Linienführung, die im Hüttentopo6 als Orginallinie eingezeichnet ist. Aber wo sind dann Walty, Punz und Roß geklettert? Die Südwand des Fergenkegels bleibt auch im nächsten Fall spannend.
Dass in der Südwand eine Neue Führe2 ausgewiesen wird, erscheint sofort logisch. Eine große, fast unerschlossene Wand mit festem Fels lässt keinen Menschen ruhig schlafen, der gerne neue Wege sucht. Dass wir, trotz aller Bemühungen, bisher nur auf eine Quelle zurückgreifen können (Stand September 2025), spornt uns an, weiter zu recherchieren. Eventuell bietet die Beschreibung eines Verhauers von Alpine_Rise auf Hikr.org einen Hinweis.
Wir würden uns über eure Hilfe freuen. Bitte schickt uns alle Informationen (inklusive Quellenangabe), die ihr über den Fergenkegel finden könnt.
Der Nordwestgrat, über den heute die Abseilpiste führt, gibt weitere Rätsel auf. Im Alpenvereinsführer Silvretta von 19872 werden die Herren Rydzwesky, Jann und Guhler als Erstbegeher und 1890 als Erstbegehungsjahr genannt. Der Tourenbericht von A. v. Rydzwesky3 gibt das aber nicht her. Auch der angegebene Schwierigkeitsgrad mit der Bemerkung „leichteste Route am Fels“, lässt die Angabe zweifelhaft erscheinen. Wahrscheinlicher ist, dass die Seilschaft 1890 den Nordkamin durchstieg. Wann und von wem der Nordwestgrat als erstes begangen wurde, konnte bisher (Stand September 2025) nicht ermittelt werden.
in der fünften Seilänge der Fergenkegel SW-Wand
Routenliste im Uhrzeigersinn:
Nordkamin (Führerkamin) III, Mettier, 1880: Vom Pass zwischen Schildfluh und Fergenkegel (Rote Furka, 2700m) Richtung Osten in die Nordwand bis unter ein großes gewundes Coloir queren. Dieses zieht bis knapp unter den Gipfel zu einer Schulter herauf. Von dort Riß und Kamin z.G.
Ostgrat IV, O. Schuster, J. Engel, 1892: Vom Pass zwischen Schildfluh und Fergenkegel (Rote Furka, 2700m) Richtung Osten unter der Nordwand durchqueren (stellenweise steiles schuttiges Schrägband) bis zu einer Kanzel ca. 20m oberhalb der Ostgratscharte.
Nördliche Verschneidung am Ostgrat: Vom rechten Ende der Kanzel Verschneidung und oberste Nordwand z.G.
Südliche Verschneidung am Ostgrat: Von der Mitte der Kanzel linke Verschneidung, rechts unter überhängendem Block hindurch zur Nordflanke. Diese z.G.
Südostkante: Erste SL wie Südliche Verschneidung, dann links queren zur Südostkante und diese z.G.
Südwand IV, G. Walty, M. Punz, Frl. Roß 1908: im Bereich der untersten drei SL ist die Linienführung nicht klar.
Direkte Südwand IV, vor 1986: Für diese Linie existieren viele Topos und Beschreibungen. (siehe auch Quellen 2,4 und 6)
Sanierte Variante der Südwestwand IV, 2008: Auch für diese Linie existieren viele Topos und Beschreibungen. (siehe zum Beispiel Quellen 4 und 6)
Neue Führe V – VI, vor 1986: näheres ist der Redaktion unbekannt (Stand September 2025)
Nordwestgrat III – IV, vor 1986: Vom Pass zwischen Schildfluh und Fergenkegel (Rote Furka, 2700m) kurz Richtung Osten (nordseitig um den ersten Gratkopf herum) und steile Gratkante bis unter die erste Platte. Eine Reihe glatter Platten über mehrere große Absätze (zwischendurch immer wieder mal an der Gratkante) empor zum Absatz über der letzten Platte. Kaminrinne z.G.
Für die Erstellung der Routenliste wurden alle im Quellenverzeichnis genannten Publikationen verwendet. Die Redaktion kann für die Angaben keine Gewähr übernehmen. Klettern erfolgt immer auf eigene Gefahr!
Abkürzungen:
DAV Deutscher Alpenverein
SAC Schweizer Alpin Club
SL Seillänge
z.G. zum Gipfel
Quellenverzeichnis:
1 https://www.sac-cas.ch/de/huetten-und-touren/sac-tourenportal/fergenkegel-610/alpinklettern/
2 Alpenvereinsführer Silvretta von Walther Flaig, Bergverlag Rudolf Rother, München, 10. Auflage 1987
3 Text von A. v. Rydzwesky
4 https://www.hikr.org/tour/post84822.html, publiziert von Alpin_Rise
5 Text von Toni E. Müller aus dem SAC-Jahrbuch von 1942
6 Download-PDF Hütteninfo Fergenhütte SAC


